
Pünktlich zum ersten April haben wir unsere Zelte in Schliersee abgebrochen und sind Richtung Bordeaux unterwegs. Wobei wir vorher noch einige Stationen in Deutschland hatten.
So verbrachten wir die erste Nacht nur wenige Kilometer entfernt von unserem ehemaligen Zuhause, um uns noch von Josefs Verwandtschaft in Großhartpenning zu verabschieden. Dort konnte uns kurzfristig auch noch ein sehr wichtiges Utensil für unsere Reise zugestellt werden: unser Handstaubsauger! Mit drei Kindern ist dieser mittlerweile unverzichtbar.
Nach einem letzten Abstecher zu unseren lieben Freunden am Tegernsee mit einem gemeinsamen Mittagessen, einem ausgedehnten Spielenachmittag und zum Schluss doch noch ein paar Abschiedstränchen, ging es jetzt auf direktem Weg Richtung Therme Erding.
Therme Erding? Ja, richtig gelesen! Wir hatten noch einen Gutschein für einen Tag Urlaub dort und für uns war der Zeitpunkt nach dem „Stress“ der letzten Wochen mehr als perfekt. Unsere zweite Nacht in Wilma verbrachten wir also auf dem thermeneigenen Wohnmobilstellplatz und konnten am nächsten Morgen gleich als Erste in die Therme. Es wurde ausgiebig gebadet, gerutscht, entspannt und letztendlich waren wir alle fünf müde, zufrieden und vor allem frisch gewaschen bereit für unser Abenteuer. Noch am gleichen Abend fuhren wir weiter bis nach Weil, in der Nähe von Landsberg, um dort den zwei Monate alten Nachwuchs von unseren Freunden Luise und Sebastian kennenzulernen.

Leider verweigerte unsere Gasheizung in dieser Nacht ihren Dienst und wir mussten uns bei ungemütlichen 6 Grad gegenseitig warm kuscheln. Der erste Ausflug war am nächsten Morgen deshalb eine Fahrt zum nahegelegenen Baumarkt, um dort festzustellen, dass nicht die Batterie der Heizungssteuerung leer war, sondern einfach nur ein Wackelkontakt der Grund für die frostige Nacht war.
Nach einer Stärkung waren wir bereit, für einen Besuch des Weiler Reit- und Wildparks (http://www.reitpark-weil.de/wildpark.htm) gemeinsam mit Luise und ihrem kleinen Sprössling. Der Park ist anscheinend weit bekannt dafür, dass die Kinder von den Eltern hoch zu Ross, bzw. Pony durch den Park geführt werden können. Unsere Kinder wollten lieber eine Runde mit der Eisenbahn drehen und den Spielplatz erkunden. Am späten Nachmittag ging es für uns dann weiter Richtung Bodensee. Hier hatten wir uns nämlich einen Campingplatz ausgesucht, an dem wir einige Tage bleiben wollten.
Unterwegs entschieden wir uns, die Fahrt erst am nächsten Tag fortzusetzen. Über die Park4night-App suchten wir unterwegs einen Stellplatz. Zuerst fuhren wir einen allgemeinen Wohnmobilstellplatz am Ortsrand von Wangen an und waren schockiert. Hier standen ca 50 Mobile dicht an dicht, die meisten Besitzer saßen in ihren Campingstühlen davor und beäugten uns im Vorbeifahren schadenfroh. Die rote Leuchte zeigte nämlich schon von Weitem, dass hier kein Platz für uns ist. So verbrachten wir die Nacht nach erneuter Suche und kurzer Fahrt glücklicherweise am Hundrisshof ganz in der Nähe von Wangen. Dort wurden wir herzlich begrüßt und die Kinder freundeten sich gleich mit unseren finnischen Nachbarn an. Für viele mag es vielleicht unspektakulär klingen, für uns war es jedoch etwas Besonderes: zum ersten Mal kochten wir an diesem Abend in unserer Miniküche und alle freuten sich auf einen großen Topf Nudeln mit Pesto.


Ausgeschlafen setzten wir unseren Weg am nächsten Tag Richtung Bodensee fort. Doch gerade als wir feststellten, wie praktisch die Navigation mit Google Maps ist, weil man bei einem Stau gleich umgeleitet wird, befanden wir uns schon mittendrin im Umleitungsstau. Eine Stunde und 2 Kilometer später kam uns die Ausfahrt zum Affenberg Salem (https://www.affenberg-salem.de/) deshalb mehr als gelegen. Neben einem tollem Spielplatz gab es hier im öffentlichen Bereich auch viele Störche samt ihren Nestern, teilweise sogar auf den Spielgeräten, zu bewundern. Irgendwann war der Stau vorbei und wir setzten unsere Reise fort.


Endlich waren wir am Bodensee angekommen. Weil die letzten Tage waren sehr aufregend waren, entschieden wir uns, einige Tage am Campingplatz in Allensbach zu bleiben, bevor wir weiter Richtung Frankreich aufbrechen. Immerhin hatten wir hier sämtliche Annehmlichkeiten, wie WC, Dusche, Waschmaschine, Trockner und zusätzlich noch zwei tolle Spielplätze, vom Bodensee in unmittelbarer Nähe und jeden Tag Sonnenschein mal ganz zu schweigen.

Glück im Unglück hatten wir, als unser großes Töchterlein Wilmas Auspuff als Trittleiter für einen Fenstereinstieg nutzen wollte. Sie konnte ja nicht ahnen, dass der Auspuff nach 31 Jahren etwas Rost angesetzt hatte. Da lag nun ein Teil des guten Stücks am Boden. Wie sich herausstellte, ein anscheinend schon mal erneuertes Stück. Gut, dass der Papa so geschickt ist und noch besser, dass er sich am Campingplatz passendes Werkzeug ausleihen konnte und den Auspuff wieder reparieren konnte. Heutige Lektion: Wilma ist eine alte Dame, auf die wir wirklich gut aufpassen müssen!

Der Aufenthalt am Bodensee hatte noch einige Highlights für uns, angefangen beim Radl-Einkaufs-Ausflug nach Radolfzell. Der Weg dort hin führte am Seeufer entlang durchs Naturschutzgebiet und endete in einer sehr charmanten Altstadt. Dort besuchten wir einen kleinen regionalen Dorfladen (https://bauernmarkt-radolfzell.de/start.html) mit frischem Gemüse von der nahegelegenen Insel Reichenau.
Nächstes Highlight war der Besuch des Allensbacher Wild- und Freizeitparks (https://www.wildundfreizeitpark.de/). Für uns Erwachsene war auch der Weg dorthin schon besonders schön, für die Kinder eher nur besonders lang. Da wir gleich zu Beginn einmal falsch abgebogen sind, brauchten wir statt einer halben Stunde etwa doppelt so lange. Glücklicherweise hatten wir unseren braven Drahtesel und ein Tragetuch dabei und konnten die Kinder so abwechselnd über kürzere oder längere Strecken transportieren. Der lange Weg zum Wildpark lohnte sich allemal. Hier konnten wir mächtige Wisente, neugierige Hirsche, verfressene Steinböcke und verschiedene Greifvögel bestaunen sowie beeindruckende Braunbären, Wölfe und einen Luchs bei der Fütterung beobachten. Zum Schluss entdeckten wir dann noch den gigantischen Rutschenturm, der mit verschiedensten Rutschen über sieben Stockwerke bei jedem von uns für ordentlich Nervenkitzel sorgte. Der direkte Weg zurück zum Campingplatz führte nur noch bergab und so waren wir nach einem gelungenen Nachmittag innerhalb einer Viertelstunde wieder bei unserer Wilma.



„Goodbye Deutschland“ hieß es für uns dann am nächsten Tag. Unser Weg führte anders als ursprünglich geplant, erst noch in die nahegelegene Schweiz zu den Rheinfällen. Die Kinder zeigten sich zwar sichtlich unbeeindruckt hinsichtlich der herabstürzenden Wassermassen, freuten sich dafür aber umso mehr über einen tollen Spielplatz. Für uns gab es an diesem Tag gleich mehrere Lektionen: 1. Der Grenzübertritt ist streng vom Zoll überwacht, was natürlich zu Stau führt. 2. Man kann grenznah zwar mit Euros bezahlen, bekommt aber als Wechselgeld nur Schweizer Franken zurück. 3. Parken ist noch teurer als in Deutschland (7 CHF für 1,5 Stunden) und 4. Man hat mit deutscher SIM-Karte in der Schweiz kein Internet. Da wir nur die Navigationsapp unserer Handys nutzen, waren wir ziemlich schnell aufgeschmissen. Wir entschieden uns dann eine (Jahres-)Vignette für die Schweizer Autobahn zu kaufen und der Beschilderung Richtung Basel zu folgen.

Und schwupps waren wir in Frankreich. Hier fanden wir pünktlich zum Sonnenuntergang noch einen ruhigen Schlafplatz bei einem Pferdehof. Morgens wurden wir vom Gewieher der Pferde geweckt und konnten beim Frühstücken den Tieren auf der Weide zusehen.

Mittlerweile hatten wir keine festen Etappen mehr, sondern fuhren so lange, wie es für uns alle passte. Mal mehr, mal weniger weit. Nach gut einer Woche hatten wir uns jetzt schon relativ gut eingegroovt in unserem neuen Alltag, auch wenn es natürlich immer mal wieder herausfordernde Situationen gibt. Nächster Halt war für diese Nacht der Parkplatz des Fußballvereins Guegnon mit direkt angrenzenden Park. Der frühe Lärm der benachbarten Fabrikhalle machte uns den Aufbruch am nächsten Tag sehr leicht. Weit kamen wir jedoch nicht. Beim Tanken entdeckten wir in Bourbon-Lancy mal wieder einen schönen Spielplatz direkt am Wasser. Es wurde ausgiebig geklettert, geschaukelt, gerutscht und sogar ein kurzes Bad genommen, bis wir bereit zur Weiterfahrt waren.

Eine Spielplatz-Pause später suchten wir wieder ein Plätzchen für die Nacht und entdeckten einen kleinen Campingplatz ganz in der Nähe. Außer uns waren keine anderen Camper hier und so hatten wir die freie Platzwahl. Die ruhige Lage und die wunderbare Umgebung überzeugten uns, gleich ein paar Tage zu bleiben.


Der nächste Tag war der erste Regentag seit unserem Aufbruch, weshalb wir mit den Kindern einen Spaziergang zur 2 Kilometer entfernten Bäckerei machten. Die wohlverdienten Pains au chocolat waren noch warm und schmeckten nach diesem langen Marsch unglaublich gut. Den Rest des Tages wurde gemalt, Hörspiel gehört, Spiele gespielt und Lego gebaut.

Das war die Zusammenfassung unserer ersten zwölf Tage.
Bald brechen wir auf Richtung Meer und sammeln unsere ersten Wwoofing-Erfahrungen. Seid gespannt!
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